Fotos sehen, verstehen, gestalten

In seinem Buch das sich hauptsächlich mit der Psychologie des Fotografierens beschäftigt, geht Prof. Dr. Martin Schuster den Hintergründen der Fotografie auf den Grund. Er analysiert in insgesamt 12 Kapiteln die verschiedensten Genres der Fotografie und ihre Motivwelten.fsvg

Anhand von Beispielfotos aus den Anfangszeiten der Fotografie bis hin zu Bildern aus der Neuzeit wird der interessierte Leser im Verlauf des Buches in die Geheimnisse der Entstehung von Bildern und deren Bedeutung eingeführt.

Der Autor verabsäumt es trotz seines Professorentitels in Psychologie nicht, den Leser darauf hinzuweisen, dass es in seinem Buch viele Beispiele zu sehen gibt, welche aufgrund fehlender statistisch-empirischer Untersuchungen, zwar keine Beweiskraft haben, aber dafür umso anschaulicher illustrieren wie die Psychologie des Sachverhaltes ist (oder sein könnte).

Im Kapitel  „ Die Historie der Fotografie und der Seele“  führt der Autor über Ritualelemente und Verhaltensmodelle die uns Fotos liefern hin zur Akzeptanz im Wandel der Zeit und zur immer größer werdenden Frage der Persönlichkeitsrechte.  Dieses Kapitel endet schließlich mit der Beantwortung der Frage:  „Ist Fotografie ein weibliches oder männliches Hobby“.

Waren nun die ersten beiden Kapitel eher kurz und sehr  textlastig gehalten, geht es dagegen im dritten Kapitel „Fotografie und Wahrnehmung“ sehr konträr und mit vielen einprägsamen Illustrationen und praktischen Beispielen weiter.  Dem Leser wird hier erklärt wie die visuelle Wahrnehmung abläuft.  Dieses Kapitel ist auch das erste, welches mit einem praktischen Übungsteil endet, wie übrigens auch alle weiteren insgesamt neun Kapitel.

In dem nun folgenden Kapiteln geht es um Erinnerungsfotos, Urlaubsbilder, dokumentierende Vergangenheit, Fototherapie und vieles mehr. Alle Themen haben aber eines gemeinsam, es geht um das Verstehen der Fotografien und das der Motivation des Fotografen. Ob es hierbei um die Wirkung von Fotos auf Instinkte (Kapitel 6) geht, oder um die Rolle des Fotografen in Kapitel 8 (Soziale Beziehungen der Fotografie), immer steht das psychologisch eindrucksvoll aufbereitete Verstehen im Vordergrund.

Auch werden Presse und Werbung (Kapitel 9), der Bezug zu Fotografie und Kunst (Kapitel 10) nicht vergessen.  Schuster zieht hier eindrucksvolle Vergleiche aus den Anfängen der Fotografie bis in die heutige Zeit an Beispielen aus z.B. der Kriegsberichterstattung.  Auch werden Fragen behandelt, ob Fotos gestellt werden, warum dies geschieht und ob und wenn ja, welchen Wahrheitscharakter Fotos heute noch haben oder haben können.
In seinem 12. und letzten Kapitel, liefert Schuster dem Leser schließlich noch zwei fotopsychologisch orientierte Interviews. Eines mit einem ehemaligen Model , sowie eines mit einem Kunstmaler.  Hier wird dann auch deutlich wie ähnlich sich diese beiden darstellenden Künste schließlich sind.

Den Abschluss des Buches bildet schließlich ein sehr umfangreiches Literaturverzeichnis.
Insgesamt kann ich sagen, dass mir das Studium dieses Buches (ich habe es mittlerweile zum zweiten Mal gelesen) viele neue und mir bis dahin ungewohnte Betrachtungsweisen von Fotos eröffnet hat. Viele Dinge über die ich bis dahin nicht nachgedacht hatte springen einem nun gleich beim ersten Betrachten eines Fotos oder auch Motivs ins Auge. Das Buch öffnet einem wirklich interessante und neue Ansatzpunkte und Perspektiven. Es sollte meiner Meinung nach in keinem Bücherregal fehlen.

Das Buch ist im Springer Verlag, in der mittlerweile überarbeiteten 2. Auflage erschienen.

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Ein Gedanke zu „Fotos sehen, verstehen, gestalten“

  1. Das ist ein guter Tipp. Die Psychologie der Fotografie ist schon interessant. Danke!

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