Table Top – mal gezeigt

Schon oft wurde ich gefragt, wie machst Du diese Bilder bloß? Die Antwort darauf war in den meisten Fällen kurz und bündig .. ein einfaches Table Top. Oder in weniger hochtrabenden Worten, ich hab das einfach auf dem Esszimmertisch drappiert und fotografiert.

Aber fangen wir mal langsam an. Das Foto um das es in diesem Beispiel gehen soll, schaut in einem der möglichen Endresultate so aus:

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Steht also immer noch die Frage im Raum, wie geht das?

Schauen wir uns das Foto mal genauer an. Was sehen wir wenn wir genauer hinsehen. Die Steine werfen einen Schatten fast 180° von oben. Als nächstes können wir auf dem blauen Hintergrund ein regelrechtes Muster entdecken das scheinbar durch Licht „gemalt“ wird. Der direkte Vordergrund des Bildes ist dunkler bis korrekt belichtet während der eher hinter den Steinen befindliche Sand schon fast ausgefressen (überbelichtet) daherkommt.

Was können wir aus den Informationen also ableiten?

  • Die erwähnten Schatten welche die Steine werfen, bedingen also das Licht von oben kommen muss.
  • Das im Vergleich zum restlichen blauen Hintergrund sehr helle Lichtmuster muss wohl von einem Blitz stammen.
    (Eine normale Lichtquelle würde diese Helligkeit vermutlich kaum liefern. [Von Studioscheinwerfern mal abgesehen)
  • Es muss eine Abgrenzung zwischen Vorder und Hintergrund erfolgt sein was das Licht angeht.
  • Vordergrund und Hintergrund Farbtemperatur unterscheiden sich. Der Vordergrund ist wesentlich wärmer als der Hintergrund.
    (Hierzu später noch mehr)

Soweit zur Theorie, schauen wir uns also mal an wie das nun wirklich während der Aufnahme aussah:

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Making off

Wir erkennen die Halogenbeleuchtung, von oben kommend, als Verursacher des Schattens unter den Steinen.

Als nächstes sehen wir das sich auf der Kamera ein Blitz befindet, der mit Alufolie umwickelt wurde. Diese Alufolie endet kurz vor den Steinen. Das bewirkt nun wiederum, dass die Steine noch einen tick Licht von der Oberseite der Alufolie bekommen was auf den sehr reflektiven Steinen als Lichtreflex zu sehen ist. Darüber hinaus wird der Sand im Vordergrund kaum beleuchtet.

Was hier im Bild nicht zu sehen ist (Ich kann halt nicht 2 Sachen gleichzeitig machen 😉 ) , während der eigentlich Aufnahme des ersten Bildes habe ich den Blitz hinter den Steinen noch mit einem leicht gefaltetem Blatt Papier gegenüber dem Hintergrund abgeschattet. Daher rührt dieses Muster auf dem blauen Hintergrund.

Die Entstehung des ersten Bildes wäre somit geklärt, oder? Nun wenn Ihr Fragen dazu habt, stellt sie einfach hier als Kommentar… Ich werd dann einfach versuchen Eure Fragen zu beantworten.

Nebenbei, was Ihr da seht ist mein Esszimmer 😉  Ein eigenes Studio kann ich mir leider nicht leisten, ich verdiene ja meinen Lebensunterhalt leider nicht mit Fotografie. Vielleicht mal wenn ich Rentner bin und die Zeit dafür habe 😉

So was kommt jetzt noch werdet ihr Euch fragen. Der zweite Blitz mit der Softbox (ganz links im Making off Bild wurde ja noch gar nicht erwähnt. Na schau ma mal was noch so alles geht:

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Ein weiteres Resultat mit anderem Lichtsetup

Das Foto schaut nun schon ein wenig anders aus als das erste Bild.

Was ist hier anders als auf dem ersten Bild, der Schatten unter den Steinen ist ein ganz anderer, er fällt hier nach rechts, das Licht kommt also von links aus der Softbox.
Die Farbtemperatur des Sandes im Vordergrund ist viel „kälter“ als bei dem ersten Bild. Das rührt einfach daher, dass bei diesem Bild kein „warmes“  Halogenlicht mehr vom Esstischlicht mehr involviert ist. Insgesamt wirkt das Licht hier wesentlich konsistenter als beim ersten Bild.

Grund ist einfach, dass wir es hier mit nur Lichtquellen einer gleichen Farbtemperatur zu tun haben. (Ich werde diesen Begriff  „Farbtemperatur“ in einem anderen Beitrag noch einmal näher erläutern)

Was noch anders ist, sind die Reflexe auf den Steinen und das Muster welches am Hintergrund erscheint. Beides erklärt sich schlicht aus denr etwas anderen Abschattung des auf der Kamera befindlichen Blitzlichtes durch ein leicht gefaltetes Blatt Papier.

Jetzt hat man also da zwei Bilder und fragt sich, was geht da noch alles ?

Schau ma also mal. Ein mögliches Beispiel wäre folgendes:

Ein weiteres Resultat ohne Reflexionen
Ein weiteres Resultat ohne Reflexionen

Was ist hier nun wieder anders ?

Das Bild wirkt ruhiger als das vorangegangene Bild. Die Ursache dafür sind die fehlenden Reflexionen in diesem Bild. Ich nahm einfach das vorangegangene Foto her und habe mit dem „Ausbessern“ Werkzeug von Photoshop die Reflexionen entfernt. Im wesentlichen werden dabei nur einzelne, zuvor  „selektierte“ Bereiche des Bildes gegen andere ausgetauscht. Photoshop ist dabei so intelligent die übergänge automatisch zu verbessern. So fallen die manuell selektierten Grenzen gar nicht mehr auf.

Darüber hinaus fällt noch etwas auf, theoretisch auch schon bei dem vorangegangenen Bild. Es fehlt etwas an Biss, das Bild wirkt durch verringerte Kontraste wesentlich ruhiger als das erstes hier gezeigte Bild. Es fehlt etwas an Aggressivität, Ausnutzung des Kontrastumfangs. Kontraste können Bilder also „bissiger“ wenn nicht ansprechender machen. Das liegt jedoch oft auch sehr im Auge des Betrachters und der in Ihm geweckten Erwartungen. (Teilweise kann das schon durch einen Bildtitel erfolgen, dazu aber mehr in einem anderen Howto)

So ich hoffe ich konnte anhand dieses recht einfachen Aufbaus einmal zeigen was mit „Lichtführung“ einerseits und ein klein wenig Kreativität andererseits so alles geht.

Schreibt doch einfach mal Fragen oder Meinungen als Kommentare dazu. Antwort garantiert, vielleicht nicht sofort aber sie kommt 😉

Ein Gedanke zu „Table Top – mal gezeigt“

  1. Die Entstehung der Makros zeigt sehr gut, wie man mit geringem Aufwand sehr schöne Ergebnisse erzielen kann. Sieht man mal davon ab, dass hier gleich schon mit so Sachen wie Mischlicht und entfesseltem Blitzen – was nicht für jeden schon zu verstehen oder mangels Equipement nachvollziehbar sein dürfte, auch für den Anfänger gut geeignet. Vielleicht noch nicht ganz zum Nachmachen, aber auf jeden Fall zum Nachvollziehen.

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