Neue Perspektiven suchen und finden, aber wie?

Manchmal spaziere ich durch meine Wahlheimat Wien und denke so bei mir, neee das Motiv lohnt sich nicht. Das hast Du sowieso schon 10 mal fotografiert. Aber halt, stimmt das so? Oder hab ich nur die erste, meist schon von 1000’den vor mir abglichtete Perspektive, mir in den Sinn gekommene Perspektive aufgenommen?
Immer öfter stelle ich fest, dass es genau so ist. Ich habe die 1001. Aufnahme gemacht die es von diesem Motiv gibt. Dabei ist es manchmal nur eine Frage der Zeit die man sich für ein Motiv nimmt. Ein anderes Mal ist es einfach eine Frage der Jahreszeit.

So wie diesmal. Ich spazierte durch den 1. Bezirk von Wien (für nicht Wiener: Die Innenstadt von Wien) und hatte meine Kamera dabei. Wozu hat man schließlich Urlaub 😉 Dabei kam ich am sognt. Donnerbrunnen am Neumarkt vorbei. Diese Lokation hatte ich bisher bestimmt schon dreimal besucht und auch jedesmal fotografiert. Dieser Umstand kam mir dieses Mal auch sofort in den Sinn und ich fragte mich folglich, warum soll ich hier noch ein Foto machen?

Aber diesmal hatte ich Zeit, schließlich war ich im Urlaub 😉 So stellte ich mich in die Mitte des Platzes, gleich neben dem Hauptfotomotiv und schaute mich um. Ließ jedes Detail dieses wirklich wunderschönen Ortes auf mich einwirken, wanderte dort herum, überlegte, nahm einige Male die Kamera ans Auge und schaute durch den Sucher.

Dann auf einmal sah ich das was mir bisher verborgen geblieben war. Eine unübliche Perspektive eines ansonsten relativ bekannten Motives.Vorweg gleich einmal das Bild dazu:
Donnerbrunnen

Dieses Motiv wird normalerweise von viel weiter rechts als hier zu sehen aufgenommen und mit voller Schärfentiefe inkl. des darauf folgenden Hintergrundes. Dies schoß mir bei der Betrachtung der Szene an der einige Touristen die eben jenes gerade beschriebenes Foto machten in den Kopf.

In Verbindung zu den vorangegangenen Gedanken und einer aufmerksamen Betrachtung der Szenerie folgte ich der logischen Konsequenz. Ich stieg IN DEN BRUNNEN der zu dieser Jahreszeit eben nicht gefüllt ist und machte ein Bild mit minimaler Schärfentiefe das aber zugleich die zwei, zumindest für Touristen, scheinbar wichtigsten Bestandteile dieser Szenerie, in einer völlig neuen und absolut unüblichen Perspektive einfing. Fokus auf die von fast allen Touristen angegriffenen Zehenspitze und gleichfalls die sichtbare Reflektion auf dem ebenfalls von den meisten Touristen abgegiffenen Schienbein der Neptunstatue dieses Brunnens.

Technisch lebt dieses Bild von der Verwendung des Weitwinkel Objektives und der Reduzierung der Schärfentiefe durch den Einsatz der relativ großen Blendenöffnung von 2.8.? Die reduktion der Schärfe auf die Zehenspitze macht das Bild eher einzigartig, da die meisten bekannten Bilder dieser Szenerie durch die überwiegende Verwendung von Bridgekameras eher auch die gesamte Umgebung scharf darstellung.

Die Quintesszenz aus diesem Erlebniss ist also, dass es mir aufgrund der Jahreszeit Winter, durch deren Umstand der Brunnen lehrgepumt war, gelang IN DEN BRUNNEN zu steigen um zu dieser Perspektive zu gelangen. Es lohnt sich also manche Motive durchaus mal in Momenten oder zu Zeiten zu fotografieren, in denen die direkte Umgebung nicht in dem Zustand ist wie zu 75% des restlichen Jahres.

Wieder einmal bewahrheitet sich also der Grundsatz „Geduld zahlt sich aus“

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